Gewährleistung bei Baumängeln – so führt effizientes Mängelmanagement zum Erfolg

Gewährleistung bei Baumängeln – so führt effizientes Mängelmanagement zum Erfolg

Fristen, häufige Irrtümer und warum digitales Mängelmanagement ein Schlüssel zu Budgetkontrolle und mehr Effizienz ist

Kein Bauprojekt ohne Mängel – doch damit Mängel beim Bau nicht zum Albtraum werden, ist ein effizientes Mängelmanagement für Bauunternehmen entscheidend. Es hilft dabei, die Lage deiner Baustellen im Blick zu behalten, unterstützt beim Kostenmanagement und ist sogar für den Fortbestand von manchem Bauunternehmen entscheidend. Erfahre hier alles über die häufigsten Mängel, Irrtümer bei Fristen und Tipps für ein effizientes digitales Mängelmanagement.

 

Baumängel sind ein leidiges Thema, das für Spott und Unterhaltung sorgt – solange man nicht selbst betroffen ist. Für Bauunternehmen und Bauherren bringen Baumängel jedoch oft langwierige Verhandlungen mit sich – und unkalkulierbare Kosten. Zwar lassen sich Baumängel nie ganz ausschließen, aber mit einem effizienten digitalen Mängelmanagement behältst du einen kühlen Kopf und hast deine Kosten im Griff.

Was ist ein Baumangel?

Grundsätzlich hat ein Bauwerk aus rechtlicher Sicht Baumängel, wenn es

 

  • nicht den Vorgaben im Vertrag entspricht,
  • nicht funktionstüchtig oder gebrauchsfähig ist,
  • die allgemein anerkannten Regeln der Technik nicht einhält.

 

Ein Baumangel ist laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) damit eine Abweichung von der vertraglich vereinbarten Beschaffenheit eines Gebäudes.

Die 10 häufigsten Baumängel bei Ein- und Zweifamilienhäusern

Das Institut für Bauforschung e.V. hat zusammen mit dem Bauherren-Schutzverband e.V. in einer Studie die zehn häufigsten Baumängel bei der Errichtung von Ein- und Zweifamilienhäusern ermittelt.

 

Diese Baumängel treten demnach besonders häufig auf:

 

  1. Kellerabdichtung
  2. Luftdichtheitsebene
  3. Schallbrücken
  4. Estrichfeuchtigkeit
  5. Ringanker
  6. Fußbodenheizung
  7. Wärmedämm-Verbundsystem
  8. Sockelabdichtung
  9. Trinkwasserhygiene
  10. Badabdichtung

 

Tipp: Hier lohnt es sich, ein besonderes Augenmerk auf die Erstellung zu haben und Mitarbeitende intensiv zu schulen, da die genannten Mängel oft zu größeren Schäden am Gebäude führen.

Wie Bauunternehmer von einem effizienten Baumängelmanagement profitieren

Ein Baumangel liegt gemäß der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) auch dann vor, wenn das Bauwerk nicht den anerkannten Regeln der Technik entspricht. Bauunternehmen müssen daher sehr versiert und erfahren und insbesondere mit den geltenden Vorgaben des Landes vertraut sein.

 

TRETEN DENNOCH BAUMÄNGEL AUF, IST ES IM INTERESSE VON BAUHERREN UND BAUUNTERNEHMEN, DASS SICH DIE FRONTEN NICHT VERHÄRTEN.

 

Eine Klärung der Lage und eine Übereinkunft zur Mängelbeseitigung sind wichtig, damit das Bauprojekt erfolgreich und ohne Gerichtstermin beendet wird. Denn ein gerichtliches Verfahren ist kostspielig und dauert erfahrungsgemäß oft sehr lange.

 

Baumängel effizient und transparent zu managen, ist also wichtig, damit du weiter gut schlafen kannst und dein Bauunternehmen rechtlich auf sicherem Boden bleibt.

Was sind „wesentliche“ Baumängel?

Von einem „wesentlichen Baumangel“ in Abgrenzung zu einem Baumangel spricht man, wenn die Nutzbarkeit des Gebäudes oder Werks erheblich beeinträchtigt ist oder wenn ein Werk nicht den anerkannten Regeln der Technik entspricht.

Ein Beispiel: Ein undichtes Dach ist ein wesentlicher Mangel, während eine falsch platzierte Steckdose ein unwesentlicher Mangel ist.

Ein Bauarbeiter schaut auf der Baustelle auf ein Tablet, worauf durch Bilder die Baustelle dokumentiert ist

Wann verjähren Baumängel? – Die Fristen und weitverbreitete Irrtümer

Nach geltendem Baurecht gilt für Baumängel eine Verjährungsfrist von fünf Jahren. Innerhalb dieser Frist können Bauherren die Beseitigung der Mängel oder einen Schadensersatz beim Auftragnehmer geltend machen.

 

Fristen für arglistig verschwiegene Baumängel

Für arglistig verschwiegene Baumängel gelten abweichende Fristen. Das Gesetz macht in Bezug auf die Verjährungsfristen eine Ausnahme, wenn sich herausstellt, dass Baumängel arglistig verschwiegen worden sind.

 

Die Frist für die Meldung arglistig verschwiegener Baumängel liegt bei drei Jahren, beginnt jedoch erst zu dem Zeitpunkt, an dem der Bauherr Kenntnis von dem Mangel erhält.

 

Ein arglistiges Verschweigen eines Mangels liegt vor, wenn der Bauunternehmer zwar von dem Mangel wusste, ihn bis zur Abnahme bei der Bauübergabe jedoch nicht behoben hat. Verschweigt er dem Bauherrn einen ihm bekannten Mangel, geht man von arglistigem Verschweigen aus. Unter Arglist fällt auch, wenn Bauunternehmer nicht ausreichend erprobte Materialien verwenden oder notwendige Untersuchungen nicht durchgeführt wurden.

Zu Verjährungsfristen gibt es zahlreiche Irrtümer:

 

Irrtum 1: Damit ein Mangel gültig ist, muss ein Schaden eingetreten sein

Dies ist ein Irrtum und der Mangel kann unabhängig davon bestehen, ob (bereits) ein Schaden eingetreten ist. Bei der zügigen Mängelbeseitigung geht es im Gegenteil auch darum, einen Schaden abzuwenden.

 

Irrtum 2: Ein Werklohnanspruch verjährt nach 5 Jahren

Auch dies ist ein Irrtum, denn der Werklohnanspruch verjährt innerhalb von 3 Jahren, gerechnet ab dem 31.12. des Jahres der Rechnungsstellung der Schlussrechnung.

 

Irrtum 3: Ein Mahnschreiben hemmt die Verjährung

Dies ist ein weiterer Irrtum, denn das Mahnschreiben allein hemmt die Verjährung nicht. Stattdessen ist ein staatliches (Gerichts-)Verfahren zur Hemmung nötig.

Warum Bauunternehmen ihre Baudokumentation digitalisieren sollten

Bauprojekte sind komplex und durch die Beteiligung von Nachunternehmern nicht immer einfach zu überblicken. Bauunternehmen tun daher gut daran, ihr Bautagebuch sorgfältig zu führen und bei der Dokumentation von Mängeln ein leistungsstarkes Programm einzusetzen, das die dokumentierten Mängel mit Foto dem entsprechenden Projekt zuordnet.

 

Zu einem effizienten Mängelmanagement gehört außerdem eine reibungslose Baustellenkommunikation und ein sauberes Aufgabenmanagement, damit die entsprechenden Personen zu jedem Zeitpunkt genau wissen, was sie zu tun haben – und du immer den Überblick über die Aufgaben in Echtzeit hast. Mit einem effizienten Fristenmanagement lassen sich auch Mängel letztlich managen.

Fazit:

Ein professionelles Mängelmanagement spart Zeit, Geld und Nerven – und ist digital viel einfacher als gedacht.

Bildnachweise: fuyu liu/Shutterstock.com; 123erfasst/Timo Lutz Werbefotografie